Skrupellose Methoden

 

Boa constrictor Nachzuchten abzugeben

 

 
Aus unserer Praxis:

Zu den schwierigsten Kunden gehören nicht selten die älteren Schlangenhalter, die schon seit 30 oder mehr Jahren ihrem Hobby nachgehen und dabei was Haltung und Pflege, aber auch das Wissen über Unterarten und Variationen betrifft, auf dem Kenntnisstand von 1989 sind und sich seither nicht weiterentwickelt haben.

Einen würdigen Vertreter dieser Spezies hatten wir vor kurzem zu Gast, weil er sich für unsere Surinam Farmnachzuchten interessierte. Er nahm dafür einen weiten Weg auf sich, was wir Klasse finden. Der Rest war weniger Klasse....

„Da sieht man aber nicht viel von einem roten Schwanz!“ meinte der etwa 60jährige mit einem skeptischen Blick auf die Tiere.

Oh je, der hat noch nie reinrassige Surinam Rotschwanzboa Babys gesehen, dachte ich mir. Das wird schwierig...

„Es ist das Kennzeichen von reinrassigen Surinam Rotschwanzboas, dass sie im Babyalter eher unscheinbar und grau sind“, klärte ich ihn auf. „Ich habe damals, im Jahr 1993 auch ziemlich skeptisch geschaut, als ich bei Walter Staiger im Schwarzwald meine ersten reinrassigen Surinam Babys gesehen habe“, fuhr ich fort. „Das ist wie bei den Longicaudas, die Schönheit kommt erst im zweiten und dritten Lebensjahr!“ schloss ich meine Ausführungen.

„Und danach werden sie wieder dunkel und hässlich“, entgegnete mir der Kunde.

Wieder falsch. Oh mei…

„Das ist bei den Mischlingsboas typisch“, klärte ich ihn auf, „aber nicht bei den reinrassigen Boas!“

Der skeptische Blick des Kunden zeigte mir, dass ich ihn nicht überzeugen konnte, zumal er die Tiere, wie er mir eingangs reindrückte, für zu teuer hielt.

„Ich will offen sein“, meinte er schließlich. „Morgen kommt jemand bei mir zuhause vorbei und bringt mir seine Surinam Nachzuchten zur Ansicht. Ich werde mich dann endgültig entscheiden, wenn ich diese auch noch gesehen habe“.

Ich dachte, nicht richtig gehört zu haben. „Der bringt die Tiere zu Ihnen?“

„Ja, der kommt vorbei.“

Reinrassige Surinam Rotschwanzboas gehören nun wirklich nicht zu den Sorten, die man an der Haustüre wie Sauerbier anbieten muss, dachte ich mir. Da ist bestimmt was faul …

So deutlich konnte ich das natürlich nicht sagen. „Es ist sehr selten, dass hierzulande reinrassige Surinam Rotschwanzboas geboren werden. Deshalb sind sie so begehrt. Überprüfen Sie gut, ob es wirklich welche sind“, riet ich ihm. „Bei unseren zum Beispiel kann ich Ihnen Kopien der Ausfuhrpapiere zeigen“.

„Papier ist geduldig, da gebe ich nicht viel drauf“, war die Reaktion auf meinen gut gemeinten Ratschlag.

Na ja, ich hatte es wenigstens versucht. Da sich der gute Mann nicht mehr meldete, hat er nun wohl  doch die „Surinam Rotschwanzboas“ vom Heimservice gekauft. Die waren mit Sicherheit billiger und hatten gleich von Anfang an einen roten Schwanz (auch wenn er später wohl braun werden wird, wie bei allen "Mischlingssurinams").

 

Der Boa Markt in Deutschland entwickelt sich immer mehr zur Crime -Scene:

Wie wir bereits auf unserer Seite "Mischlingsboas" hingewiesen haben, hat inzwischen sogar der dümmste Züchter von Boa constrictor gemerkt, dass Mischlingsboas nicht mehr an den Mann/die Frau zu bringen sind.

Die Folge davon ist, dass alle Mischlingsboas wie durch ein Wunder über Nacht in der Versenkung verschwunden sind und mittlerweile nur noch "reinrassige Boas" angeboten werden. Dass adulte Mischlingsboas kurzerhand zu Wildfängen erklärt werden, um deren Junge vermarkten zu können, ist beinahe schon gängige Praxis. In so einem Fall soll man nicht nur die Einfuhrpapiere verlangen, sondern auch mit dem Vorbesitzer der Tiere sprechen um herauszubekommen, ob die Papiere zu den angeblichen Wildfängen passen.

Dass die potentiellen Käufer hier oft angelogen werden dass sich die Balken biegen (was die Herkunft der Tiere und die Reinrassigkeit betrifft) hat sich allerdings inzwischen sogar bei den gutgläubigsten Boa Interessenten herumgesprochen.

Auf dieser Seite wollen wir zur Warnung über besonders dreiste Fälle berichten, von denen wir Kenntnis erlangen.


Fall 1:

Per Email wies uns eine Besucherin unserer website darauf hin, dass auf der Internetseite http://python-homes.webs.com Fotos von unserer Seite ohne unsere Genehmigung verwendet werden. Wir haben uns die Seite angesehen und zu unserem Erstaunen festgestellt, dass dort Boa c. nebulosa und Boa c. orophias zum Kauf angeboten werden. Da solche Tiere kaum erhältlich sind, machte uns das mißtraurisch. Wir heuchelten Kaufinteresse per Email Kaufinteresse und forderten Fotos und Preise an. Es wurde uns versichert, dass es sich bei den angebotenen Tieren tatsächlich um Boa c. nebulosa und Boa c. orophias handelt. Die Orophias sollten wir für den Schnäppchenpreis von 520 Euro (für das Paar!) erhalten, die Nebulosa für 285 Euro.

Hier sind die Fotos:

Diese Schlange wurde uns als Boa c. nebulosa (Dominica Boa) angeboten. Leider hatten die guten Leute da die falschen erwischt...

Etwas geschickter sind die Kameraden bei dem zweiten Angebot, bei der St. Lucia Boa (Boa c. orophias) vorgegangen. Da haben sie ein Bild von einer echten St. Lucia Boa geschickt. Allerdings sieht selbst ein Blinder mit einem Krückstock, dass dieses Foto in der freien Wildbahn aufgenommen wurde und dass sie mit Sicherheit nicht im Besitz dieses Tieres sind. Wir gehen sogar davon aus, dass nicht einmal das Foto von ihnen stammt (der rechtmäßige Besitzer des Fotos möge sich bei uns melden).

Nachdem wir diesen Leuten geschrieben haben, was Sache ist, haben wir nichts mehr gehört. Da dieser Laden offenbar weltweit exportiert, soll hiermit vor denen ausdrücklich gewarnt werden!


Boa constrictor Mischlinge erkennen | Mischlingsboa Erkennungsmerkmale | Mischlingsboa erkennen | Bastard Boa constrictor | Boa constrictor Kreuzung Erkennungsmerkmale | Bastardboa erkennen | Reinrassige Boa von Mischlingsboa unterscheiden

Fall 2: Cites Fälschungen!

Es gibt sogar Fälle, wo zum Betrug auch noch die Urkundenfälschung hinzukommt. Dieses Foto einer gefälschten Cites - Bescheinigung erhielten wir von einem Schlangenhalter aus Österreich, der in Deutschland ein Pärchen Mischlingsboas kaufte, die ihm als "Corn Island Boas" angeboten worden waren.

Als Verkaufsargument wurde hier der Spitzenreiter in den Betrugslegenden verwendet: "Die Tiere wurden aus dem Verbreitungsgebiet nach Deutschland geschmuggelt und vom Zoll beschlagnahmt. Daher sind sie reinrassig. Ich habe sie von den Zollbeamten bekommen und verkaufe sie nun."

Diese Story ist nicht neu, wir haben schon oft gehört dass mit dieser Masche die Leute übers Ohr gehauen wurden. Neu ist hier, dass dieses mal die Betrugsstory sogar mit einer gefälschten Cites - Bescheinigung untermauert wurde:

.... übrigens kann der Zoll genauso wenig eine Cites - Bescheinigung ausstellen wie das Landwirtschaftsministerium einen Reisepass. Insofern ist diese Fälschung an Dummheit nicht mehr zu überbieten.

 

.... und hier ist das Original, aus dem die Fälschung hergestellt wurde *

(beachten Sie die identische Unterschrift und die identische Form der Kreuze in den Kästchen)

* Wir haben jetzt erfahren, dass es sich bei der unteren Cites - Bescheinigung ebenfalls um eine Fälschung handelt. Dieses Dokument ist bei der entsprechenden Behörde überhaupt nicht ausgestellt worden

Es ist also so, dass aus einer ohnehin schon gefälschten Cites - Bescheinigung erneut eine Fälschung hergestellt wurde (von einer anderen Person als bei der ersten Fälschung). Soviel zum Thema Ehrlichkeit beim Verkauf von Boas und Verlässlichkeit von Cites - Bescheinigungen ...

... bleibt noch zu erwähnen dass die Ermittlungen der Behörden schon im Gange sind.

PS: Der Name des betrügerischen Verkäufers wurde uns nicht mitgeteilt. Anfragen sind also zwecklos.

...  Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass es gängige Praxis in Deutschland ist, Mischlinge als reinrassige Boas zu verkaufen.

Wir wurden kürzlich wieder mit so einem Fall konfrontiert als uns eine Bekannte einen Wurf Hog Island Boas zum Kauf anbot. Bei unseren Recherchen stellte sich heraus, dass sie beim Erwerb der Eltern über´s Ohr gehauen worden war. Man hatte ihr Hog Island/Amarali Mischlinge als reinrassige Hog Island Boas verkauft.

Das Email unserer Bekannten veröffentlichen wir mit ihrem Einverständnis um zu zeigen, dass das Misstrauen beim Boa Kauf gar nicht groß genug sein kann, was die Reinrassigkeit betrifft.

"Ich möchte mich herzlich bei Ihnen bedanken, denn Sie waren es, der den Irrtum aufgedeckt hat. Allenfalls halten Sie mich jetzt für dumm. Das ist gemessen an dem Ärger, den die Folgen eingebracht hätten, wenn ich die Tiere naiv als Hog Islands verkauft hätte und sicherlich auch weiter gezüchtet hätte, eigentlich zu verschmerzen.

Ich versuche die Tiere jetzt eben als Mischlinge günstiger zu verkaufen und hoffe auf dennoch verständige Käufer. Ein 1.0 kommt bereits in wirklich gute Hände. Hoffentlich geht es den anderen Tieren auch so. Außerdem mache ich mir natürlich aller größte Vorwürfe, nicht wie Sie intensiver nachgeforscht zu haben. Eigentlich darf man einfach nicht vertrauen, sondern muss sich ausschließlich an Fakten halten, die eben oft sehr mühsehlig zu erfahren sind. 

Für meine anderen Tiere überprüfe ich gerade die Hintergründe sehr genau. Aus Fehlern lernt man eben.

Herrn *******  habe ich übrigens telefonisch bis heute nicht erreicht und ihm daher geschrieben. Bin auf die Reaktion gespannt, verspreche mir aber nicht all zu viel.

Also nochmals vielen Dank und viel Erfolg für Sie!

Gruß

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