Boa constrictor - eine invasive Spezies auf der Insel Aruba

Alle Fotos und Informationen sind von Roel Uckerman,Aruba/Niederländische Antillen

Roel Uckerman und seine Frau Hesther sind niederländischer Abstammung. Sie leben seit 10 Jahren auf der Karibikinsel Aruba. Roel Uckerman ist Angehöriger der Küstenwache.

Die Karibikinsel Aruba gehört zu den Niederländischen Antillen und liegt 20 Kilometer vor der Küste der Venezuelanischen Halbinsel Paraguana.

Landkarte von Aruba

Die Größe von Aruba beträgt ungefähr 190 Quadratkilometer. Die Länge der Insel ist 31km und an der breitesten Stelle werden 9 km gemessen.
Zusammen mit den Nachbarinseln Curacao und Bonaire, die sich 60 Seemeilen, bzw. 120 Seemeilen östlich befinden, gehört Aruba seit 1636 zum Königreich Niederlande.

Impressionen von Aruba

Es wird geschätzt, dass ungefähr 75.000 Menschen dort leben (illegale Einwanderer und Touristen nicht mit eingerechnet).

Warum berichten wir auf einer Boa constrictor Website über diese Insel?

Das hat den Grund, weil hier der erste dokumentierte Fall vorliegt, wo Boa constrictor zu einer invasiven Spezies wurde.

Invasive Spezies, auch Neobiota oder Neozoen genannt, sind Tiere die von Menschen in Gebiete verbracht worden sind, wo sie ursprünglich nicht vorkamen und sich dort fest etabliert haben.

Drei Kriterien müssen erfüllt sein, um von einer Neozoe zu sprechen:

  • direkte oder indirekte Einführung durch Menschen
  • nach 1492 eingeführt (Beginn des Zeitalters der Kolonialisierung und damit der intensiven Vernetzung der Länder der Welt)
  • sich selbst reproduzierende Population, die ohne menschliche Hilfe auskommt

Boa constrictor ist keine einheimische Schlange auf der Insel Aruba. Dennoch werden beinahe täglich Exemplare von bis zu 2 Meter Länge gefangen. Im März 2005 fand sich sogar eine 1,80 m lange Boa constrictor im Garten der Familie Uckerman.

Eine Boa constrictor auf der Insel Aruba. Das Tier wurde im Garten der Familie Uckerman fotografiert. Traurigerweise tötete der Nachbar danach die Schlange...

Höchst wahrscheinlich haben unverantwortliche Halter von Haustier Boa constrictor ihre Schlangen in der Wildnis freigesetzt, weil sie diese loshaben wollten. Da sich die Boas gut an die klimatischen Verhältnisse auf Aruba anpassen konnten und sich stark vermehrten, tauchen sie nun überall auf, sogar in der Stadt. Das ist auch deswegen so, weil sie in ihrem neuen Habitat keine natürlichen Feinde haben.

Dieser Neuling in der Schlangenwelt von Aruba wird von vielen Einheimischen als Plage betrachtet.

Impressionen von Aruba

Einige der Boas kommen in Abwasserschächten zur Welt. Die Leute auf Aruba meinen, dass wenn man von einer solchen Boa gebissen wird, infiziert man sich mit Bakterien aus dem Abwasser. Bisher ist allerdings noch nichts ernstes passiert. Aber der Durchschnittsbürger auf Aruba ist der Meinung, dass die Boas den ursprünglichen Tierbestand der Insel ruinieren.

Diese Fotos einer Boa constrictor wurde von dem niederländischen Touristen J. Beijaard auf Aruba aufgenommen und uns zur Verfügung gestellt.

Wie man sehen kann, verspeist die Abgottschlange gerade einen Vogel, der von den Einheimischen Warawara genannt wird.

Es ist erstaunlich, dass sich eine so stattliche  Abgottschlange noch in solche unsicheren Höhen begibt.

Und das ist der Kerl auf der Speisekarte der Boa. Der Trivialname ist Kuifcaracara, der lateinische Name Polyborus plancus. Dieser Raubvogel ist in den USA, Südamerika und auch auf Aruba verbreitet. Er wird bis zu 61 cm lang, erreicht eine Flügelspannweite bis zu 130 cm und ein Gewicht bis zu 1500 g. Foto und Infos: Wikipedia

Es gibt zwei einheimische Schlangenarten auf der Insel. Die "Santanero" und die "Cascabel".

Die Cascabel ist eine giftige Klapperschlangenart, die es nur in der Wildnis von Aruba gibt. Die Höchstlänge dieser Klapperschlangen beträgt 65-100 cm. Ihre Farbe variiert von hellbraun bis graubraun, der Bauch ist weiß und der Rücken zeigt ein diamantförmiges Zeichnungsmuster. Das Gift dieser Schlangen ist nicht tödlich.

(Anmerkung von H + E Stöckl: Wir wurden von einem Leser darauf hingewiesen, dass die Cascabel eine der giftigsten Klapperschlangen ist. Wir haben im Internet dazu recherchiert - es stimmt. Roel Uckerman liegt also da nicht ganz richtig.)

Es scheint, als würde die Cascabel ihr Territorium an die Boas verlieren. Die Maximallänge der Santanero beträgt 50-70 cm. Sie ernährt sich nur von Insekten.

Impressionen von Aruba

Die abschließende Frage lautet ob es möglich ist, dass die Boa constrictor von Aruba keine freigelassenen Terrarientiere sind, sondern vom Festland Venezuelas stammen und durch Meeresströmungen auf die Insel getragen wurden.

Es ist möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Zwischen Aruba und der Halbinsel Paraguana (die hauptsächlich aus Sand besteht und 5 mal so groß ist wie Aruba) gibt es eine 2 bis 4 Knoten starke westliche Meeresströmung. Eine Entfernung von 20 km bei einer solchen Strömung ist sogar von guten Schwimmern wie es die Boas sind nur schwer zu überwinden.

Es ist jedoch möglich, dass sie von einem etwas östlicher gelegenen Teil des Festlandes ins Meer gelangten. In Venezuela gibt es häufig Erdrutsche aufgrund heftiger Regenfälle. Es kann sein, dass da einige Boas mitgerissen wurden.

Das schließt jedoch das Aussetzen von Haustierboas als Hauptursache der "Boa Plage" auf Aruba nicht aus.

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